Home NGO's & Initiativen IGFM München 18.05.2012 20:19

Raupenkeulenpilz

Tibeter in Lithang in Osttibet bedrängt und hinters Licht geführt

Lithang im Winter (Bild von Tibet Times)

Wie aus einer tibetischen Quelle im Exil verlautet, forderten die chinesischen Behörden von tibetischen Nomaden in Lithang (Kham), ein Dokument zu unterzeichnen, daß sie sich von ihrem geistlichen Oberhaupt, dem Dalai Lama, sowie dem tibetischen Premierminister im Exil, Lobsang Sangay, lossagen.

Der aus Lithang stammende und jetzt in Südindien wohnende Atuk Tseten sagte, die chinesische Polizei habe die Nomaden im Bezirk Lithang in der TAP Kardze, Provinz Sichuan, gezwungen, das Dokument zu unterschreiben und sie bei einer Weigerung mit Schlägen und Folter bestraft.

Die Kampagne wurde vor etwa zwei Monaten in der Nomadensiedlung Mola in Lithang, dem Heimatort des Kalon Tripa (Premierminister) Lobsang Sangay, gestartet. Zuerst hätten die Behörden den Nomaden erklärt, sie müßten ein aus sieben Punkten bestehendes Dokument unterschreiben, wenn sie weiterhin den in der traditionellen tibetischen Medizin so wichtigen Raupenkeulenpilz sammeln wollten.

„Als die Kampagne gestartet wurde, erklärten die Behörden den Leuten, der Zweck sei, den beim Sammeln des Cordyceps Pilzes üblichen Konflikten vorzubeugen“, sagte Atuk Tseten. „Kurz vor Beginn merkten die Tibeter jedoch, daß es bei dem Dokument, das sie unterschreiben sollten, gar nicht um den Cordyceps Pilz ging, sondern, daß es sieben Punkten enthielt, die den Dalai Lama und Lobsang Sangay verurteilen“.

Atuk Tseten zufolge enthielt das Dokument Sätze, in denen der Vorschlag von Lobsang Sangay, über einen Besuch des Dalai Lama nach Tibet zu verhandeln, abgelehnt und der Dalai Lama kritisiert wurde, weil er angeblich die Selbstversbrennungsproteste gegen die chinesische Herrschaft in Tibet befürworte: Die „spalterischen Tätigkeiten der Dalai Clique“ wurden darin kategorisch verurteilt.

Als die Nomaden erkannten, worum es wirklich ging, waren sie sehr aufgebracht und wollten das Dokument nicht mehr unterschreiben. Daraufhin kamen 300-400 Regierungsbeamte und Polizisten in schwarzen Uniformen in das Dorf Mola. Sie riefen die dortigen Tibeter zu einem Meeting zusammen und forderten, daß alle das Dokument unterschrieben.

„Als sie die Leute fragten, ob jemand ein besonderes Problem habe, das er vorbringen möchte, schwiegen zuerst alle und sagten kein Wort“. „Auf Drängen der Beamten erhob sich schließlich eine Tibeterin und meinte, ihr größtes Problem sei, daß sie trotz wiederholter Versuche keinen Paß bekomme, um nach Indien reisen zu können, denn ehe sie sterbe, wolle sie den Dalai Lama treffen“.

„Dann stand eine andere alte Frau auf und sagte, das einzige, was sie bedrücke, sei der Tod ihrer zwei Brüder durch die Hand der Chinesen“.

Die Beamten waren wütend, als sie das hörten und ihnen klar wurde, daß niemand im Dorf kooperieren würde. „Als die Tibeter sich weigerten zu unterschreiben, wurden mehrere beiderlei Geschlechts, junge und alte, schwer geschlagen. Einige zwangen sie, ihre Köpfe zu scheren und das Dokument zu unterzeichnen. Diese Unterschriftenaktion hat zu neuen Spannungen in der Gegend von Lithang geführt“.

Quelle: Radio Free Asia, www.rfa.org

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